Die Österreichische Gesellschaft für Strafrecht und Kriminologie wurde 1951 als gemeinnütziger wissenschaftlicher Verein gegründet. Roland Graßberger wollte ein Forum für alle Disziplinen schaffen, die sich wissenschaftlich mit Kriminalität beschäftigen. Er lud deshalb Theoretiker und Praktiker aus Strafrechtswissenschaft, Kriminologie, Kriminalistik, Gerichtsmedizin sowie forensischer Psychiatrie und Psychologie ein, als Mitglieder des Vereins in einen interdisziplinären Dialog einzutreten, aktuelle Probleme vorzutragen und offen zu diskutieren. Anfang 1952 hielt Roland Graßberger den ersten Vortrag zum Thema Entwicklungen der Sexualkriminalität. Es folgten Vorträge über den Einfluss von Alkohol auf Verbrechen, über den geborenen Verbrecher, Fragen der Notwehr, der Strafzumessung und den Begriff der Ehre, über Verbrechen und Schuld, über die Behandlung von Frühkriminellen, über den anglo-amerikanischen Strafprozess sowie über den Aufbau eines gerichtlichen Laboratoriums in Holland.

Bereits die Vortragstitel aus dem ersten Jahr des Bestehens der Gesellschaft belegen den umfassenden und interdisziplinären Zugang zu den Kriminalwissenschaften. Bis heute werden vielfältige Themen aus den Bereichen Strafrechtswissenschaft, Kriminologie, Kriminalistik, Gerichtsmedizin und forensischer Psychiatrie sowie Psychologie von Theoretikern und Praktikern vorgestellt und anschließend diskutiert, wobei immer wieder auch Kooperationsveranstaltungen mit anderen Institutionen, etwa dem Bundesministerium für Inneres, der Landesgruppe Österreich der AIDP oder dem Verein NEUSTART stattfinden.

Derzeit finden jährlich fünf Diskussionsveranstaltungen, eine Podiumsdiskussion zu einem aktuellen kriminalpolitischen Problem sowie eine Exkursion statt. Geplant werden die Veranstaltungen der Gesellschaft von einem maximal 20-köpfigen Vorstand, der aus Spitzenrepräsentantinnen und Spitzenrepräsentanten aller Disziplinen, die sich mit Kriminalität beschäftigen, besteht und jährlich von den Vereinsmitgliedern gewählt wird. Als Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Strafrecht und Kriminologie amtierte von 1951 bis 1975 Roland Graßberger, von 1976 bis 2007 Manfred Burgstaller und von 2008 bis 2011 Helmut Fuchs. Seit 2012 übt Christian Grafl das Amt des Präsidenten aus. Alle Vorstandsmitglieder arbeiten ehrenamtlich und ermöglichen damit die Finanzierung der Gesellschaft aus (sehr moderaten) Mitgliedsbeiträgen. Sie kann damit absolut unabhängig agieren und dient ausschließlich dem Vereinszweck.